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Yoga zu Hause INASKA Office
16.09.2021

Homeworkout im Home Office – Fluch oder Segen?

Warum das Bügelbrett unsere neue Freund:in ist und wie auch der Bewegungsmuffel unter uns beim Hände waschen animiert wird, hört ihr im INASKA Green Schnack oder lest das vollständige Originalinterview hier weiter auf unserem Blog.

In unserer aktuellen Podcastfolge bei FAIRNETZT sprechen wir mit Kerstin Walker, Physiotherapeutin der Jugendnationalmannschaft im Trampolin und Dozentin für die Trainerausbildung des Deutschen Turner Bundes, über die Auswirkungen des Lockdowns: Wie verändert sich die Arbeit als Physiotherapeutin, welche Fehler sollte man bei Homeworkouts vermeiden, wie kann man den inneren Schweinehund austricksen und was bedeutet Corona eigentlich für den Leistungssport?

WER BIST DU UND WAS MACHST DU? 

Ich bin Kerstin Walker. Ich bin seit 2004 Physiotherapeutin und arbeite in einer Praxis in Frankfurt. Seit 2006 arbeite ich nebenbei für den Deutschen Turner Bund in den verschiedensten Sportarten. Seit 2010 arbeite ich sehr intensiv mit der Jugendnationalmannschaft im Trampolin zusammen. Da durfte ich ganz viel Erfahrungen sammeln zum Beispiel bei der Begleitung von Weltmeisterschaften. Die Arbeitsweisen im Profisport oder normalen Sport, die Behandlung einer Oma oder die Behandlung von Verletzungen nach einer OP sind dann doch sehr unterschiedlich. 

DU BIST JA PHYSIOTHERAPEUTIN UND BERATERIN IM LEISTUNGSSPORT, WIE BEURTEILST DU DIE SITUATION FÜR DIE ALLGEMEINE KÖRPERLICHE GESUNDHEIT IM LOCKDOWN? 

Ich denke, dass sich das Homeoffice bei vielen Menschen sehr unterschiedlich darstellt bzw. die Menschen es unterschiedlich wahrnehmen. Also einerseits gibt es die Gruppe, der es jetzt viel besser geht. Ich habe Patient:innen, die sagen, sie fühlen sich entschleunigt, sie können ihre Arbeit besser einteilen, sie haben nicht mehr die langen Fahrten zur Arbeit und Geschäftsreisen werden jetzt durch Onlinemeetings abgekürzt. Für diese Menschen ist es schon deutlich angenehmer, ihnen geht es einfach besser und die hoffen auch, dass sie langfristig im Homeoffice bleiben können. Mir wurde auch gesagt, dass manche sich einfach fitter fühlen, weil sie mehr Zeit und Ruhe zuhause haben. Und dann gibt es natürlich die andere Gruppe, der es deutlich schlechter geht. Die Menschen, die sagen, ihnen fehlen die sozialen Kontakte, sie haben viel mehr Arbeit und Belastung, weil sie noch Homeschooling mit den Kindern haben oder die Kinder nicht in den Kindergarten gehen können. Da fällt die Work-Life-Balance schwer, also dieses sich hinsetzen und den Punkt finden, um zu sagen: So heute habe ich genug gearbeitet, normalerweise würde ich jetzt nach Hause gehen, weil die U-Bahn fährt oder sowas. Und es fällt denen dann richtig schwer, damit einfach aufzuhören oder sie müssen noch nachts arbeiten, da die Kinder tagsüber betreut werden mussten. Und dann haben sie vielleicht noch einen schlecht eingerichteten Arbeitsplatz, also sprich, sie sitzen auf dem Boden im Bad oder an einer Kommode und der Rücken tut weh und Licht haben sie auch kein Richtiges. Also für die ist es eigentlich kein Segen und das merkt man dann auch in der Therapie. Also, die würden lieber gestern als morgen wieder in ihrem Office sitzen und ich denke auf diese zwei Gruppen kommt es an und um die geht es dann heute auch. 

WIE WIRKT SICH DER LOCKDOWN AUF DEINE TÄGLICHE ARBEIT AUS? WIE ARBEITEST DU UNTER DEN HYGIENEVORSCHRIFTEN? 

Auch bei mir auf der Arbeit hat sich viel getan. Ich bin ja einer dieser Dinosaurier, der immer noch auf die Arbeit geht und vor Ort arbeitet und nicht von zu Hause arbeitet. Unsere Hygienemaßnahmen waren schon immer sehr hoch, aber da ist natürlich aktuell einiges dazu gekommen. Es fängt schon damit an, dass wir nur mit FFP2 Masken arbeiten. Jetzt im Winter geht es gut, aber im Sommer war es schon sehr anstrengend und sehr heiß, man kriegt kaum Luft. Bei Kieferbehandlungen oder auch Schädelbehandlungen muss man dann zusätzlich noch so ein Face Shield darüber tragen und man hat noch Handschuhe an. Bei Krebspatienten hat man noch einen Kittel an und dann sieht dann eigentlich schon aus, wie die Menschen auf der Intensivstation aussehen. Dann muss man noch nach jeder Behandlung 10 Minuten lüften und alles desinfizieren und es ist schon eine große Herausforderung gerade, weil wir ja in im 20 Minutentakt arbeiten und da ist ja eh schon vor Corona immer alles drin gewesen, also sprich An -und Ausziehen von Patient:innen, alles sauber machen, lüften. Jetzt in der kalten Zeit muss man auch gucken, dass man diese zehn Minuten einhält, aber dann halt schnell die Fenster zu macht, weil sonst die nächste Patient:in wie ein Eisklotz da liegt und das will sie natürlich auch nicht unbedingt. Also das ist bei uns doch eine deutliche Herausforderung und ja, wir versuchen, die zu meistern und bis jetzt sagen die Patient:innen, dass sie sich da sehr sicher und gut aufgehoben fühlen. Wir hoffen, dass das dann auch weiterhin so ist, denn es ist ja für uns ganz besonders wichtig, dass die Patient:in sich vor allem erstmal wohl und sicher in der Therapie fühlt. Das ist natürlich das A und O, um überhaupt einen guten Therapieerfolg zu erreichen. 

HAST DU MEHR ODER WENIGER PATIENTEN AKTUELL? Aktuell sind unsere Pläne gut befüllt und die Patient:innen kommen. Die Angst ist nicht mehr so groß wie im Frühling. In der ersten Welle war es eher so, dass von heute auf morgen die Pläne leer waren. Ins Altenheim durften wir auch nicht mehr, die von uns betreuten Behindertenschulen waren auch zu und da war es doch sehr dünn und wir hatten auch vier bis sechs Wochen Kurzarbeit. Aber danach war es sofort wieder voll und jetzt haben die Leute ihre Angst verloren und rufen eher an und sagen: Ich bin noch in Kurzarbeit, habt ihr nicht noch Termine? Unsere Patient:innen haben aktuell eher mehr Zeit. 

NEHMEN NUN KLASSISCHE BÜROBESCHWERDEN ZU? BEISPIELSWEISE RÜCKENLEIDEN, VERSPANNUNGEN? Wir merken ganz deutlich, dass unsere Patient:innen doch sehr viel Brustwirbelsäuleprobleme haben. Das ist die Mitte der Wirbelsäule, darunter liegt unser vegetatives Nervensystem. Das hat viel mit Stress und Angst zu tun. Wir haben viele Menschen, die mit Migräne kommen, die nachts knirschen. Im Moment ist die psychische Belastung bei den Menschen doch sehr angestiegen. Einige klagen auch über einen Mangel an Bewegung und dass ihnen der ganze Körper weh tut, sie am nicht am Schreibtisch zu Hause sitzen können, sondern beispielsweise an einer Kommode. Das ist natürlich nicht gut. Da überlegen wir dann gemeinsam, wie können wir die Situation im Homeoffice verbessern. 

 

Wer zum Beispiel sagt, ich arbeite eigentlich gern auch mal im Stehen, der empfehle ich das Bügelbrett. 

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Wer zum Beispiel sagt, ich arbeite eigentlich gern auch mal im Stehen, der empfehle ich das Bügelbrett. Das kann man schön hoch und runterfahren, da kann man sich dran stellen, aber auch dran sitzen. Ist jetzt natürlich auch das Non-Plus-Ultra, aber es ist schon besser als gar nichts. Oder man kann sich zuhause einen Schrank suchen, der eine gute Höhe hat, da kann man den Laptop drauf stellen. Nicht jeder hat den super Homeoffice Platz. Aber bei denjenigen, bei denen die Voraussetzungen gegeben sind, die mögen das auch wirklich gerne. Wir behandeln immer viel Rückenbeschwerden, aber das ist deutlich mehr geworden. Zugenommen haben generell Stress bezogene Probleme, wie Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel und Panikattacken. Ich denke, die Hauptursache ist auch die Angst vor dem, was da noch auf uns zukommt. 

WAS SIND DIE URSACHEN FÜR DIESE BESCHWERDEN? UND WAS KANN MAN AM EFFEKTIVSTEN DAGEGEN MACHEN? 

Die Hauptursachen solcher Probleme sind die provisorische Einrichtung des Arbeitsplatzes und die Auswirkungen des Arbeitsplatzes zuhause. Also kann ich mein Arbeitsleben um meine privaten Sachen herum basteln oder habe ich gar nichts anderes als meine Arbeit mehr und schaffe den Absprung nicht? Morgens einfach direkt aus dem Bett an den Schreibtisch, dann sitzt man da 5 Stunden, 6 Stunden, isst vielleicht noch Mittag am Arbeitsplatz und macht immer weiter und weiter. Dann sind ganz schnell 10, 12 Stunden um und dann geht man direkt aufs Sofa und hat sich gar nicht bewegt. Das ist für den Körper wirklich ein Problem und muss man natürlich unbedingt etwas daran verändern. Ich denke, da ist es besonders wichtig herauszufinden, welcher Typ Mensch man ist. Für mich gibt’s in der Therapie verschiedene Gruppen an Menschen hinsichtlich ihrer Bewegung. Da gibt es einmal die Sportliche*, die eh immer Sport macht, für die ist es egal, ob Lockdown ist, oder ob sie mehr Stress hat, die macht trotzdem ihren Sport, geht regelmäßig laufen, macht ihre Gymnastik. Die braucht auch keine Partner:in oder Trainer:in dafür. Der macht einfach. Der ist natürlich ganz einfach, der gibst du ein Programm und dann macht sie das. Die macht das gewissenhaft und auch so oft wie ich das sage. Das ist der eine Typ, aber der ist natürlich eher selten. Dann gibt es den Gruppen-Typ, der sagt: Boah, also alleine mache ich schon mal gar nichts, ich brauche unbedingt jemand, die das mit mir gemeinsam macht. Diesem Typ würde aktuell diese Sportverein-Zoom-Stunden empfehlen. Am besten natürlich bei einer Trainer:in, die er kennt, bei der er schon oft live war. Die Trainer:in korrigieren dann auch Körperhaltung etc. Da ist man zwar im eigenen Wohnzimmer, hat aber die gewohnte Gruppe, bekannte Menschen machen mit, vielleicht auch eine Freund:in und das animiert zum Mitmachen und Durchhalten. Vielleicht klappt das dann ein bis dreimal die Woche und das macht glücklich. Denen kann ich auch ein Programm mitgeben, aber das bringt dann meistens nichts, wenn dann da die Partner:in fehlt, die machen das dann einfach nicht. Das ist dann schade für beide Seiten, ich habe mir die Mühe gemacht, sie machen es nicht und sind gefrustet, weil sie zudem ein schlechtes Gewissen haben. Da macht Sport in einer virtuellen Gruppe mehr Sinn, das passt besser, es macht Spaß. Auch Mannschaftssportler:innen, die jetzt aktuell ihren Mannschaftssport nicht machen können, denen empfehle ich das auch: Sucht euch eine Gruppe, macht da online mit, das ist das Beste, was ihr jetzt machen könnt. Dann gibt es noch die dritte Gruppe, die normalerweise regelmäßig Sport macht, aber aktuell gar keine Zeit dafür finden, deren Zeit komplett vom Alltag aufgefressen wird. Die wissen dann gar nicht, wie sie das noch unter einen Hut kriegen sollen. Für die empfehle ich: Baut es in eurem Alltag ein! Also macht sowas wie – nicht lachen – wenn ihr auf Toilette geht, macht ihr 5 Kniebeugen. Wenn ihr euch die Hände wascht, geht ihr auf den Zehenspitzen hoch und runter. Jedes Mal, wenn ihr euch einen Kaffee macht, macht ihr Lunges. Jedes Mal, wenn ihr durch den Türrahmen geht, nehmt ihr die Arme links und rechts an den Türrahmen und dehnt eure Brustmuskulatur. So kann man die ganze Wohnung einteilen, wenn man das regelmäßig macht. Überlegen wir mal, wie oft gehen wir aufs Klo, wie oft kochen wir uns einen Kaffee, wie oft gehen wir durch irgendwelche Türen. Vielleicht hat man sogar eine Klimmzugstange da hängen und sagt sich, jedes Mal, wenn ich da durch gehe, mache ich einen Klimmzug. Irgendwann schaffe ich auch 3-4. Dann hat man am Ende des Tages auch Sport gemacht, zwar nicht am Stück und hat vielleicht dadurch nicht diese Entspannung, die man sich beim Sport holen kann und reagiert sich nicht ab. Aber man hat trotzdem ganz viel gemacht und darüber bleibt man trotzdem irgendwie in Aktivitäten und hat dann gleich weniger Rückenschmerzen und weniger Kopfschmerzen. Das finde ich eine ziemlich gute Sache. Dann gibt es noch die Gruppe, die für mich am schwierigsten ist. Das sind diejenigen, die sich noch nie bewegt haben und das auch einfach nicht gerne machen. Die einzige Bewegung, die solche Leute bekommen, ist der Weg zur Bahn, um zur Arbeit zu fahren. Und das fällt dann auf einmal auch noch weg. Da muss man oft noch einen ganzen Schritt weiter vorne anfangen, also mit der Frage: Wie viele Minuten haben Sie denn am Tag, wie viel würden Sie denn gerne machen? Da kann meine Empfehlung sein dreimal das Thera-Band auseinander zu ziehen! Da würde jetzt jede* andere sagen, da hat ja noch niemand etwas gemacht, aber selbst das schafft diejenige* dann vielleicht nicht. Da muss man noch einen Schritt weiter gehen und einen Trick herausfinden. Mein Tipp könnte dann sein, das Thera-Band neben das Waschbecken zu legen und es dort anzuwenden. Und dann ist man überrascht, irgendwann stehen sie dann vor dem Waschbecken morgens, die sehen Sie das Thera-Band und denken, ach, stimmt ja und dann ziehen sie vielleicht auch mal dran. Das ist dann ein euphorischer Effekt und so machen sie dann meistens am Ende mehr, als man vorher gedacht hätte. Ja, dann hat man auch diese Leute ein bisschen ins Boot geholt. Aber natürlich ist das für mich die schwierigste Gruppe. Für die wäre es natürlich toll, es gäbe kein Homeoffice, sie würden wieder mit der Bahn fahren, zur Arbeit laufen müssen und kämen einfach wieder in Bewegung. Aber die anderen Gruppen kann man echt gut mit allen anderen Programmen abholen. 

EINER DEINER SCHWERPUNKTE BEI DER SCHULUNG UND BERATUNG IM LEISTUNGSSPORT IST DIE PRÄVENTION VON VERLETZUNGEN. WIE SIEHST DU IN DEM ZUSAMMENHANG DEN TREND ZU HOMEWORKOUTS? IST DAS GUT, UM FIT ZU BLEIBEN ODER BIRGT DAS AUCH EINE GROSSE GEFAHR, FEHLER ZU MACHEN UND EVENTUELLE HALTUNGSSCHÄDEN ZU VERSCHLIMMERN? HAST DU DA TIPPS?

Generell sind Homeworkouts eine gute Sache – ich mache mir YouTube an und mach dort mit! Aber das sollte man immer nur mit Sachen machen, die man auch schon vorher gemacht. Ich habe schon immer Yoga in der Gruppe gemacht und das fällt jetzt aktuell aus. Die Trainer:in bietet auch online nichts live an, dann kann man gerne andere Videos machen, aber das sollte dann auf dem Niveau sein, auf dem man auch vorher Yoga oder Krafttraining gemacht hat. Sonst ist die Gefahr der Fehler relativ groß und dann wundert man sich: Mensch, ich mache die ganze Zeit Sport, ich tue was für mich und irgendwie wird es nicht besser, ich habe eher mehr Rückenschmerzen. Da sollte dann darüber nachgedacht werden, mache ich das denn richtig oder mache ich irgendwie ein Hängebauchschwein oder baue ich die Brücke statt einer schön geraden Plank, hängt der Kopf irgendwie im Nacken oder lass ich ihn nach unten hängen und halte den Nacken nicht gerade. Deswegen ist es dann besser mit Anleitung zu trainieren, da wird dann ein Personal Trainer per Video zugeschaltet. Virtuelles Training in Kleingruppen ist auch eine gute Möglichkeit, so dass der Trainer gucken und korrigieren kann. Ich bin eher Freund:in von solchen Methoden als von einseitigen Videos, wenn man eine eher schlechte Körperwahrnehmung hat. Ist man aber supersportlich und hat schon ihr* Leben lang Sport gemacht hat, dann kann es schon Sinn machen, YouTube-Videos zu nutzen. Mein Motto ist: Hauptsache bewegen! Aktuell ist ja Deutschlands neuester Sport das Spazieren gehen – dann geht man halt eine Runde spazieren oder geht wandern, da kann man deutlich weniger falsch machen. 

WIE LÄUFT DEINE BERATUNGSARBEIT BEIM DEUTSCHEN TURNER BUND AKTUELL AB? WELCHE SCHWIERIGKEITEN SIEHST DU BEIM TRAINING UNTER CORONA?

Bei unseren Leistungssportler:innen ist es auch so, sie müssen jetzt viel alleine trainieren – alleine zu Hause, im Fitnessstudio, ihrem eigenen Trainingsraum oder in den Fitnessecken in der Halle. Es dürfen natürlich nicht so viele Sportler:innen auf einmal in die Halle im Moment. Das macht es für die Trainer:in schwierig, wenn sie mehrere Kader-Athlet:innen hat und muss die irgendwie alle unter einen Hut bekommen. Bei mir sieht es so aus: Wenn meine Athlet:innen Probleme haben, schreiben sie mich an und dann bitte ich sie, mir ein Video zu schicken. Dann kann ich mir den Körper und die Bewegung anschauen, die weh tut. Oder sie haben Programme von mir und dann müssen sie mir die per Video schicken, anhand derer ich dann korrigieren kann. Das habe ich schon vor Corona auf diese Weise gemacht. Das hängt damit zusammen, dass meine Athlet:innen ja deutschlandweit verteilt sind. Ich sitze hier in Frankfurt und wenn dann jemand aus Cottbus eine Frage hat, dann macht das über Videos einfach Sinn. Das machen wir jetzt auch so weiter, da hat sich nicht so viel verändert. Was sich natürlich für die Sportler:innen massiv geändert hat, ist das Training in Kleinstgruppen oder eben viel Training in Eigenregie zu Hause. Das fällt der* ein oder anderen leider nicht so leicht. Besonders schwierig ist, dass es aktuell keine Wettkämpfe gibt. Das hat große Auswirkungen für die Vorbereitung auf die EM, die eigentlich im Mai sein sollte und für Olympia. Olympia ist ja auch noch nicht gestrichen worden. Zur Vorbereitung haben sie nun keine Wettkämpfe gehabt – weder in Deutschland noch im Ausland, um sich mit anderen zu messen und zu schauen, wo stehe ich aktuell? Wo steht die Elite an sich aktuell? Wo will ich hin? Was macht die aktuell beste Trampolinspringer:in? Natürlich muss man Wettkämpfe auch üben und wenn das dann nicht stattfindet, ist für die Athlet:innen schon sehr schwer. Manche sind ja auch schon in dem Alter kurz vor Ende der Karriere, die haben jetzt Angst davor, dass Olympia wieder verschoben wird. Schaffe ich das noch ein Jahr, mich wieder darauf vorzubereiten? Das sind klare Zyklen, die über vier Jahre ja gestrickt werden. Jetzt sind es dieses Jahr ja schon fünf. Da kann man nicht einfach sagen: Ja, ich hüpf‘ mal bei Olympia! Bei der Jugend ist die Gefahr jetzt groß, dass man gute Athlet:innen verliert. Die bekommen die Eigenaktivität mit Homeschooling parallel nicht hin und verlieren dann den Spaß. Generell macht es immer Spaß mit Sportlern:innen zu arbeiten, die haben meistens total Bock, was zu machen. Das ist eine eigene sportliche Familie, man sieht sich regelmäßig, die jungen Leute wachsen miteinander auf, sind miteinander befreundet. Und die Therapeut:in ist so etwas wie eine Seelenverwandte. Auf der einen Seite ist sie für den Körper zuständig, auf der anderen Seite ist das der Mensch, mit dem man am meisten quatscht. Mit der Trainer:in kann man nicht immer so offen reden. Und auch die Trainer:innen kommen zu den Therapeut:innen und quatschen, weil sie manchmal nicht wissen, was mit der Sportler:in los ist. Man ist so ein bißchen ‚Mutti für alle‘ und das ist eine schöne Abwechslung zum normalen Alltag in der Praxis. Mir macht das viel Spaß. Ich hoffe, ich bekomme die ein oder andere eurer Follower dazu, dass sie den ‚Poppes‘ hochkriegen, dass sie aktiver werden, dass sie die Work-Live-Balance besser hinkriegen, dass sie ihren Sport wieder mehr in den Fokus bringen! Ich hoffe, dass wir weiter alle an einem Strang ziehen und dann hoffentlich dieser Spuk endlich vorüber ist und wir alle wieder in unserem normalen Leben leben können. Das ist mein größter Wunsch – Nähe zu Freunden und Familien, dass keiner an dieser schrecklichen Krankheit stirbt und wir alle wieder im Sommer oder spätestens nächstes Jahr dasitzen und froh sind, dass wir es alle gemeinsam geschafft haben. Bleibt alle gesund!

Liebe Kerstin, vielen lieben Dank! 

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